Was ist RhythmikMB?

Der Berufsverband für RhythmikMB hat sich 2015 dazu entschlossen, dem künstlerisch-pädagogischen Fachbereich Rhythmik eine eindeutige Fachbezeichnung zu geben. Die Marke RhythmikMB soll sicherstellen, dass mit Rhythmik „Musik- und Bewegungspädagogik“ assoziiert wird und allfällige Verwechslungen mit dem musikalischen Fachbegriff Rhythmik (z.B. Jazzrhythmik, orientalische Rhythmik, Eurythmie u. ä.) zu vermeiden. Auch Verwechslungen mit Rhythmischer Sportgymnastik oder Rhythmus in Bezug auf Trommeln sollen ausgeschlossen werden.

RhythmikMB wird an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien gelehrt. Wir sind überzeugt, dass sich dieses künstlerisch-pädagogische Basisverfahren – international bekannt als Wiener Rhythmik – als  RhythmikMB durchsetzen wird.

MB steht für Musik und Bewegung(-spädagogik), und somit entsteht das sinnvolle Akronym „RMB“.

Keine Zukunft ohne Herkunft
(Odo Marquart)

Rhythmisch-musikalische Erziehung oder kurz Rhythmik hat ihren Ursprung in reformpädagogischen Ansätzen am Beginn des 20.Jahrhunderts. Die Vertreter_innen der Reformpädagogik wenden sich gegen die damals übliche reine Paukschule mit Stillsitzen und purem Auswendiglernen, das den kindlichen Bedürfnissen nicht entspricht. Statt dessen treten sie ein für ein sinnliches, handelndes Lernen (learning by doing), bei dem das Kind sein Denken – verknüpft mit sinnlichem Erleben – und motorischer Erfahrung – entwickeln kann.

Der Komponist und Musikpädagoge am Genfer Konservatorium Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950) verbindet Musik- mit Bewegungserfahrung zur Vertiefung musikalisch-künstlerischer Prozesse.

Er entwickelte eine eigene Methode der Erziehung zur und durch Musik, die er kurz Rhythmik nennt, da er im Rhythmus das verbindende Element von Musik und Bewegung sieht. Für die Ausbildung in seiner neuen Methode wird in der Gartenstadt Hellerau bei Dresden (1911) die Bildungsanstalt für Musik und Rhythmik errichtet, die bald einen internationalen Ruf in Kunst- und Pädagogikkreisen erlangt.

Schülerinnen von Dalcroze wie Maria Scheiblauer, Elfriede Feudel und Christine Baer-Frissell wirken als Leiterinnen von Rhythmik-Ausbildungen an Musiklehranstalten in der Schweiz, in Deutschland und Österreich.

Sie führen die Arbeitsweise jedoch auch in allgemeine und heil- und sonderpädagogische Arbeitsfelder ein. Dort treffen sie auf Schüler_innen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen, denen sie entgegenkommen wollen. Die betonte Hinwendung auf die Individualität des Kindes bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeitsweise, denn die Fachvertreterinnen legen nun ein verstärktes Gewicht auf Erziehung durch Musik, die von der Bewegung ausgeht.

Diese Entwicklung führt zur Ausweitung des Fachbereichs Rhythmik und seiner Zielsetzungen in Richtung Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit.

In der Folge wird die Förderung von musikalischen und motorischen Fähigkeiten durch verstärkte Angebote in den Bereichen Wahrnehmung, Kreativität und Kommunikation/Sozialkompetenz erweitert.

In der Gegenwart ist RhythmikMB als Fachbereich zwischen Kunst, Pädagogik und Therapie anzutreffen. Der sinnes- und bewegungsbezogene Ansatz der RhythmikMB, der vom vielfältigen Einsatz von Musik gestützt wird, wird damit als mehrdimensionales Bildungsangebot bestätigt. Die Bedeutung der RhythmikMB für nachhaltige Lernprozesse durch ein lebendiges Lernen mit Freude, das die motorische, sozial-emotionale und kognitive Ebene einbezieht, wird durch aktuelle human- und neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse bestätigt.

(Aus: Bankl, I./Mayr, M., Witoszynskyj, E.: Lebendiges Lernen durch Musik-Bewegung-Sprache, 2009, S.8f., G&G Verlag, Wien.)